NACHRUF

WOLFGANG BAUMANN

19. Mai 1936 – 7. August 2015


Mit großer Erschütterung haben wir erfahren müssen, dass Wolfgang Baumann an den Folgen seines scheren Autounfalls Anfang Juli am 7. August 2015 verstorben ist. Hatten wir ihm doch alle so fest die Daumen gehalten und gehofft, dass er bald wieder in unserer Mitte sein kann.

Für den DWZRV und uns alle ist dies ein herber Verlust, war er doch einer der beliebtesten Richter und ein von den Mitgliedern hochgeschätzter Funktionär. Wolfgang Baumann war immer höflich zu den Ausstellern und im Umgang mit den ihm vorgestellten Hunden sehr behutsam und sensibel.

Es ging von ihm eine beruhigende Wirkung aus – was hin und wieder nötig war – n bei so manch nervösem Besitzer. Er selbst machte stets einen gelassenen und sehr konzentrierten Eindruck – auch bei Stresssituationen – darüber hinaus gab Wolfgang Baumann seinem Gegenüber immer das Gefühl ihm zuzuhören und sich auf ihn einzustellen. So flößte er Mensch und Tier im Ring Vertrauen ein.

In Zwickau geboren, erlernte er den Beruf des Drogisten und studierte anschließend an der berühmten Palucca-Schule in Dresden – Bühnentanz. Als Tänzer war er an einigen Theaterbühnen sehr erfolgreich und zuletzt Charaktersolist im Ballettensemble der Oper Leipzig. Nach seiner Tänzerlaufbahn arbeitete er 15 Jahre als Chefchoreograph an der Leipziger „Musikalischen Komödie“, und ab 1979 als freischaffender Choreograph und lehrte außerdem Tanz an den Leipziger Kunsthochschulen.

Kein Wunder, dass sich ein solch schöngeistiger Mensch zu den Windhunden hingezogen fühlte. Sein Einstieg in die Windhundwelt erfolgte über die Rasse Afghanischer Windhund – wie bei allen uns bekannten Richterkollegen der DDR-Zeit. Er hatte zuerst eine alte Zuchthündin und später noch einen Rüden aus dem damals bekannten Zwinger „Thras“, Bes. Scholz. Er widmete sich sehr erfolgreich dem Windhund-Rennsport, war seit 1965 Mitglied im heutigen Windhundclub Eilenburg, übte dort verschiedene Funktionen aus und war auch 1. Vorsitzender des Vereins.

1974 erwarb er die Zuchtrichterlizenz, wurde Richterobmann für Windhunde und Richterausbilder in der DDR. Inzwischen hatte er sich der Rasse Whippet verschworen und gründete zusammen mit seiner Frau Verena 1975 den Zwinger „id est“. Das Ehepaar Baumann züchtete „seine“ Rasse mit viel Herzblut und großem Pflichtbewusstsein:

„Genetisch in der Begründung, logisch in der Schlussfolgerung, konsequent in der Amwendung“ (Zitat, das auf der Homepage der Familie Baumann zu finden ist). Diesem Motto zufolge war die Zuchtstätte bis in die heutigen Tage sehr erfolgreich, es gingen 34 Champions daraus hervor – neun mal mit „Schönheit-und-Leistungs“-Prädikat, und auch verschiedene deutsche und internationale Champions fanden sich unter den „id-est“-Hunden. In diesem Monat (Oktober 2015) feiert der Zwinger sein 40-jähriges Jubiläum.

Nach dem Mauerfall und der Annäherung und Einigung mit dem VDH/DWZRV – die dem Übergang und der Gestaltung war Wolfgang Baumann sehr aktiv – fungierte er als Hauptinitiator für eine eigenständige Landesgruppe Sachsen im DWZRV, wurde dann 1. Vorsitzender bzw. 2. Vorsitzender, und wurde in die Richterliste des DWZRV übernommen.

Innerhalb des Deutschen Windhundzucht- und Rennverbandes arbeitete er u. a. im Zuchtrichterausschuss und im Ehrenrat mit, darüberhinaus war Wolfgang Baumann jahrelang Zuchtkommissionsmitglied für die Rasse Whippet.

Im November 2007 ernannte ihn der VDH um Gruppenrichter der Gruppe 10.

In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der VDH 2012 die „Baron-von-Gingins-Gedächtnismedaille“.

Frau Diotima Schäfer lernte Wolfgang Baumann 1984 bei der Internationalen Hundeausstellung in Bratislava kennen. Nach dem Zusammenschluss (Ost und West) lud Frau Schäfer Wolfgang Baumann zur Internationalen Ausstellung nach Offenburg ein. Seit dieser Zeit war Wolfgang Baumann eine „feste Größe“ im DWZRV. Regelmäßig sahen wir Wolfgang Baumann bei vielen Windhundveranstaltungen – sei es als Zuchtrichter oder als aktiver Aussteller. Stets freundlich und fair – so werden wir Wolfgang Baumann in Erinnerung behalten.

Herr Baumann verunglückte auf der Rückfahrt von einer Tagung des Richterausschusses, dem er seit Jahren als wichtiges Mitglied angehörte. Dort hatte er angekündigt, kürzer treten zu wollen und seine Aktivitäten ab 2016 einzuschränken. Dies hat ihm nun das Schicksal abgenommen – unfassbar für uns alle – wir hofften so sehr, ihn zum „weitermachen“ überreden zu können.

Dass die Verabschiedung nach diesem Treffen die letzte sein sollte, ist noch für uns unbegreiflich und geht ans Herz. Wir trauern mit tiefem Mitgefühl mit seiner Ehefrau und seinem Sohn!

Lieber Wolfgang, danke für die jahrzehntelange fruchtbare Zusammenarbeit, Deinen großen Einsatz und Dein Engagement in all den Jahren für unsere Windhunde und den DWZRV – und danke, dass wir Dich in unserer Gemeinschaft haben durften. Du wirst uns unvergessen bleiben!

Im Namen des DWZRV-Vorstandes, der Richterschaft, der Mitglieder und aller Freunde

ELMAR SISTERMANN, Richtervertrauensmann

("Unser Windhund", Oktober 2015)